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Experten √ľber HCM (Hypertrophe Kardiomyopathie) und andere KM

Dr. Jan-Gerd Kresken

Tierärztliche Klinik am Kaiserberg - Duisburg

Begriffsbestimmung: Bedeutet ‚Äěangeboren“ auch ‚Äěerblich“?

Wir unterscheiden die Herzerkrankungen, je nach dem Zeitpunkt des Auftretens im Leben, in angeborene und erworbene. Die angeborenen sind zum Zeitpunkt der Geburt bereits vorhanden und bleiben fast immer lebenslang bestehen und nachweisbar. Die erworbenen Herzerkrankungen sind solche, die erst nach der Geburt auftreten. (angeboren+ erworben = zeitliche Begriffe)
Im allgemeinen Sprachverständnis hingegen, wird einer angeborenen Herzerkrankung fast immer eine Erblichkeit unterstellt. Die Tatsache, dass eine Herzerkrankung angeboren ist, bedeutet aber nicht zwingend, dass diese auch erblich ist!
Beispiel: ein Loch in der Herzscheidewand eines Kittens ist immer angeboren, muss aber nicht zwingend erblich sein.

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Der Begriff ‚Äěerworbene Herzerkrankung“ impliziert im Sprachgebrauch genau die umgekehrte Annahme. Bei dem Wort ‚Äěerworben“ denkt man zwangsl√§ufig an entz√ľndliche und z.B. toxische Ursachen, die das Herz im Laufe des Lebens sch√§digen. Das ist auch prinzipiell richtig, aber es gibt auch eine Reihe genetisch bedingter (erblicher) Herzerkrankungen, die erst sp√§ter im Leben in Erscheinung treten (HCM).
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Angeborene Herzdefekte treten laut Statistik h√§ufiger bei Rassekatzen, als bei deren Mischlingen auf. Das best√§rkt die allseits verbreitete Vermutung, dass genetische Faktoren f√ľr die Auspr√§gung am Herzen verantwortlich sind.

Erworbene Herzerkrankungen

Die hypertrophe Kardiomyopathie (HKM, HCM) ist die h√§ufigste Herzerkrankung bei der Katze. Sie wird bei ca. 80% der Katzen festgestellt, die eine Herzerkrankung aufweisen.
Sie ist eine von f√ľnf verschiedenen Kardiomyopathieformen:

HCM hypertrophe Kardiomyopathie

Die HCM ist eine erworbene Herzerkrankung, die genetisch bedingt ist. Mit ‚Äěerworben“ bringt man zum Ausdruck, dass die Erkrankung nicht ‚Äěangeboren“, d.h. zum Zeitpunkt der Geburt schon vorhanden ist, sondern erst sp√§ter im Leben in Erscheinung tritt. Genetisch bedingt hei√üt, dass die Erkrankung erblich ist.

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Hier liegt auch ein praktisches Problem f√ľr den Z√ľchter: Die Erkrankung tritt erst auf, wenn sich die Katzen bereits im Zuchteinsatz befinden.
In der veterin√§rmedizinischen Kardiologie gibt es verschiedene M√∂glichkeiten die HCM bei der Katze zu diagnostizieren. Neben den klassischen Verfahren wie Abh√∂ren, R√∂ntgen und EKG hat sich die Echokardiographie mit seinen verschiedenen technischen M√∂glichkeiten, angefangen von hochaufl√∂senden zwei-dimensionalen Bildern des Herzmuskels, √ľber Dopplerverfahren bis hin zu Gewebedopplern, als ‚ÄěGold-Standard“ etabliert. Die seit 2006 entwickelten Gentests auf HCM sind ihrem Anspruch nicht gerecht geworden. Etliche wissenschaftliche Arbeiten haben die Aussagekraft der Gentests in Frage gestellt. Seit kurzem gibt es einen neuen Biomarker (Bluttest) auf das schon l√§nger bekannte nt-pro BNP, einem Eiwei√ü welches bei Herzmuskelerkrankung ins Blut freigesetzt wird. Dieser Test scheint eine sinnvolle Erg√§nzung zu klinischer Allgemeinuntersuchung und Echokardiographie zu sein.
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Kardiologische Befunde bei Katzen werden im Wesentlichen in drei Situationen erhoben:
  1. Beim Tierarzt wird zufällig ein Herzgeräusch oder eine Arrhythmie bei einer Impfkontrolle festgestellt. (Befund)
  2. Die Zuchtkatze wird zu einer HCM Untersuchung vorgestellt (Befund)
  3. Der Notfallpatient wird mit Symptomen vorgestellt: Atemnot (Hecheln und/oder Bauchatmung) und/ oder L√§hmung einer oder mehrerer Gliedma√üen.

Klinische Symptome der Herzinsuffizienz

Wenn eine Katze im Verlauf einer fortschreitenden Herzmuskelerkrankung Symptome entwickelt, sind diese f√ľr gew√∂hnlich die Folge einer Stauungserscheinung im Kreislauf. In der tier√§rztlichen Praxis werden die Patienten meistens erst vorgestellt, wenn die Herzerkrankung schon weit fortgeschritten ist. Katzen neigen, ganz im Gegensatz zum Hund, dazu erst sehr sp√§t im Verlauf der Erkrankung auff√§llige Symptome zu entwickeln.
Erste Anzeichen einer Herzerkrankung sind ein erh√∂htes Schlafbed√ľrfnis und Hecheln nach Anstrengung. Anders als beim Hund schwindet bei der Katze der Appetit bei Vorliegen von kardialer Stauung recht schnell. Diese Stauungen k√∂nnen als Lungen√∂dem und oder Pleuraerguss (Erguss im Brustkorb), mit oder ohne Aszites (Bauchwassersucht) in Erscheinung treten. Der beim Hund sehr typische Husten im Rahmen einer Linksherzstauung kommt bei der Katze eher selten vor und wird vom Tierbesitzer h√§ufig als Erbrechen fehlinterpretiert. Hustende Katzen leiden zu 90% unter Erkrankungen des Atemtraktes, wie felines Asthma.

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Ein anderes typisches Symptom f√ľr eine Stauungserkrankung im Rahmen der HKM ist das pl√∂tzliche Auftreten einer Gliedma√üenl√§hmung mit Schmerzen, die sogenannte arterielle Thrombembolie (ATE). Die Thromben bilden sich im dilatierten (vergr√∂√üerten) linken Vorhof oder linken Herzohr und k√∂nnen zu Embolien, insbesondere in den Arterien der Beckengliedma√üen f√ľhren. Im akuten Stadium der Thrombembolie besteht extreme Schmerzhaftigkeit, die Katzen zu klagenden Laut√§u√üerungen veranlasst. Sp√§ter kommt es zum Sensibilit√§tsverlust in der/den Gliedma√üen. An den betroffenen Extremit√§ten ist kein Puls messbar. Die Pfote ist kalt und der Ballen ist von wei√ü-an√§mischer bis blauer Farbe. Die Muskulatur im Bereich der Mm. gastrocnemii (hinter dem Knie) ist f√ľhlbar verh√§rtet.
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Abb. 1: Sektionsbild einer Katze mit Verschluss der Aufzweigung der Aorta in die Beinarterien

Weitere seltene Symptome, die f√ľr eine Herzerkrankung sprechen:

Wenn gleichzeitig ein systemischer Bluthochdruck besteht, kann es zu ernsten Augenver√§nderungen, wie Netzhautblutungen und –abl√∂sungen kommen, die zur Blindheit f√ľhren. Katzen mit schwerer HKM k√∂nnen auch pl√∂tzlich versterben, ohne vorher klinische Anzeichen einer Herzerkrankung gezeigt zu haben (sudden heart death). Urs√§chlich sind sicherlich ventrikul√§re Tachyarrhythmien oder h√§modynamische Probleme durch intraatriale Thromben.

Alter und Geschlecht der Patienten

Das Alter der Katzen, die mit klinischen Symptomen vorgestellt werden, variiert erheblich. Hierf√ľr sind der individuell unterschiedliche Krankheitsverlauf, die verschiedenen Ursachen der Hypertrophie, sowie eine ungleiche Beobachtungsgabe der Tierbesitzer verantwortlich.
Die HCM kommt bei m√§nnlichen Tieren h√§ufiger vor und tritt fr√ľher in Erscheinung. M√§nnliche Tiere erkranken √ľberwiegend zwischen dem 2.-5. Lebensjahr, weibliche zwischen dem 3.-6. Lebensjahr. Ein fr√ľheres Vorkommen der Erkrankung mit klinischen Symptomen oder ein pl√∂tzlicher Todesfall im ersten Lebensjahr sind m√∂glich, aber eher selten.

Rassedispositionen

Die prim√§re HCM tritt bei fast allen Katzenrassen auf. Eine deutlich erh√∂hte Disposition ist f√ľr Maine-Coon-Katzen, American Shorthair, Ragdolls, British Kurzhaar, Norwegischen Waldkatzen und Persern beschrieben oder bekannt. (Erster Nachweis des autosomal dominanten Erbganges bei der Maine Coon 1998).

Die restriktive Kardiomyopathie (RCM)

Die sogenannte restriktive Kardiomyopathie ist von zweitgrößter Bedeutung unter den Kardiomyopathien der Katze. Dabei bedeutet restriktiv, dass der Herzmuskel nicht normal erschlaffen kann, weil das Herzmuskelgewebe unelastisch und steif geworden ist. Die Herzkammer kann nur wenig Blut aufnehmen. Dadurch kommt es zu auffälligen Blutstauungen in den Vorhöfen und in der Lunge. Der Herzmuskel erscheint im Ultraschall bei dieser Form der Kardiomyopathie auf den ersten Blick kaum verändert.

Die dilatative Kardiomyopathie (DCM)

Noch vor 15-20 Jahren war diese Erkrankung in der tier√§rztlichen Praxis regelm√§√üig zu sehen. Seit bekannt wurde, dass bei den meisten betroffenen Katzen ein Taurinmangel (Co-Enzym im Stoffwechsel von Herzmuskelzellen) die Ursache ist, wurden die kommerziellen Katzenfuttermittel mit Taurin angereichert. Danach ist diese Krankheit praktisch verschwunden. Ein Beispiel f√ľr eine ern√§hrungsbedingte Herzerkrankung. Beim Hund ist die DCM ein gro√ües Problem und √§hnlich wie die HCM genetisch bedingt. Eine Zuf√ľtterung von Taurin ist fast immer erfolglos.

Die unklassifizierbaren und arrhythmogenen Kardiomyopathien

Die unklassifizierbaren und arrhythmogenen Kardiomyopathien sind √§u√üerst selten. Sie m√ľssen aber im Rahmen der Untersuchung auf HCM von dieser differenziert werden. Die Ursachen f√ľr diese Erkrankungen sind m.o.w. unbekannt. Vermutlich ist diese wird diese Pl√∂tzliche Todesf√§lle sind durchaus die Regel, so dass die Diagnostik dieser Erkrankungen eher dem Pathologen vorbehalten ist.

Diagnostik der Kardiomyopathien

Folgende kardiologische Untersuchungsmethoden stehen uns zur Verf√ľgung und werden auf ihren Wert zur Diagnose der Kardiomyopathie erl√§utert.

Auskultation

Die gr√ľndliche Auskultation ist Grundlage der Untersuchung und ein wichtiges Basisscreening in der tier√§rztlichen Praxis. Mehr als die H√§lfte der betroffenen Katzen weisen im weiteren Verlauf der Erkrankung ein Herzger√§usch auf. Hierbei handelt es sich um systolische Herzger√§usche, die durch eine Mitralklappeninsuffizienz oder eine dynamischen Subaortenstenose (SAS) bedingt sind. Bei letzterer handelt es sich um eine Sonderform der HCM (oHCM obstruktive hypertrophische Kardiomyopathie). Bei dieser oHCM besteht ein Muskelwulst unter der Aorta, der den Blutfluss einengt. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kann es zur SAM (systolic anterior motion) kommen. Die Mitralklappe wird hier w√§hrend der Kammerkontraktion angesaugt (Venturi-Effekt), und gleichzeitig ge√∂ffnet. Der hier entstehende turbulente R√ľckfluss in den Vorhof (Mitralisregurgitation) ist, je nach St√§rkegrad, als Ger√§usch h√∂rbar. Durch die Hypertrophie wird die Geometrie der Papillarmuskel ver√§ndert. Dadurch wird die Stellung der Mitralklappen zueinander und damit deren Schluss negativ beeinflusst.

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Ein anderes Ger√§uschph√§nomen ist der sogenannte Galopprhythmus. Die Verkleinerung des linksventrikul√§ren Kammerdurchmessers und die zunehmende Steifheit des Herzmuskels k√∂nnen zum Auftreten dieses Galopprhythmus und diastolische Dysfunktion f√ľhren. Ein pathologischer dritter Herzton oder sogenannter F√ľllungston wird dabei h√∂rbar.

Schleimhaut- und Pulsuntersuchung, Palpation

Die Untersuchung der Schleimhäute und des Pulses sind Bestandteil einer klinischen Voruntersuchung und geben i.a. keinen spezifischen Hinweis auf das Vorliegen einer HCM.

Elektrokardiogramm (EKG)

Die Diagnose HCM l√§sst sich mit einem EKG allein nicht stellen. Das EKG erfasst die im Verlauf der Erkrankung als Anzeichen des Herzversagens ansteigende Herzfrequenz sehr genau. Bei Herzfrequenzen √ľber 240/min ist es allein mit dem Ohr des Untersuchers schwer m√∂glich die Frequenz zweifelsfrei zu messen. Das EKG dokumentiert sehr pr√§zise krankhafte Ver√§nderungen der Reizleitung- und -bildung, die durch die Hypertrophie und /oder Mechanismen im Rahmen des Herzversagens ausgel√∂st werden.

Röntgen

Im R√∂ntgen k√∂nnen Gr√∂√üenver√§nderungen des Herzens, Stauungen der Blutgef√§√üe, Lungen√∂deme, freie Erg√ľsse und differentialdiagnostisch wichtige Lungenerkrankungen gut erkannt werden.
Im Rahmen eines Stauungsgeschehens treten regelmäßig Anzeichen von Lungenödem und Thoraxerguss auf. Die ursächliche Hypertrophie der Kammermuskulatur, ist im Röntgenbild kaum zu erkennen. Die Hypertrophie richtet sich nach innen (Verengung der Herzkammer), so dass die Herzsilhouette im Röntgenbild nicht vergrößert ist.

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Abb.2.: Maine Coon 3 Jahre mit HKM : röntgenologisch Kardiomegalie, Lungenödem

Blutbilduntersuchungen

5.1. Biomarker nt-pro BNP

Bislang war es mittels der bekannten Blutparameter (CK, CK-MB, Troponin I) fast nicht möglich einen Hinweis auf das Vorliegen einer HCM zu bekommen.
Seit 2010 steht ein neues Diagnosetool f√ľr die Kardiomyopathie zur Verf√ľgung. Nt-pro BNP (n-terminales brain natriuretisches Peptid) ist ein Peptidhormon, welches prim√§r von den Myokardzellen der Herzmuskulatur produziert und ausgesch√ľttet wird. Ausl√∂ser daf√ľr ist der sog. Wandstress, der durch Volumen- oder Druck√ľberladung verursacht wird. Die Blutplasmakonzentration von nt-pro BNP steigt schon im Fr√ľhstadium einer Herzerkrankung an.
F√ľr eine Screeninguntersuchung in der Praxis ist dieser Test geeignet.

5. 2. Gentest

Genmutationen auf die getestet werden kann:
Bei der Katze sind bislang nur drei Mutationen beschrieben:

  • A31P (Maine Coon)
  • A74T (Maine Coon)
  • R820W (Ragdoll)

Die bekannten Genteste sind nur eingeschr√§nkt, und f√ľr norwegische Waldkatzen gar nicht zu empfehlen.

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Die verschiedenen Genmutationen kommen innerhalb der Maine Coon und Ragdoll-Populationen weltweit sehr h√§ufig ( > 30%) vor. In einer Statistik waren ¬ĺ der im Ultraschall positiven HCM Katzen mit klinischen Symptomen im Gentest negativ. Auf der anderen Seite erkranken viele Katzen mit positivem Gentest nicht.
Man muss davon ausgehen, dass es sich bei der HCM um eine genetisch komplexere Erkrankung handelt als bislang angenommen. Vermutlich sind, wie beim Menschen hunderte von Mutationen beteiligt. Den Gentest als ‚ÄěSelektionstool“ auf herzgesunde Zuchtkatzen bei anderen Rassen als Maine Coon oder Ragdoll zu verwenden ist nicht zu empfehlen. Nur bei Katzen, die mit den getesteten amerikanischen Zuchtlinien (M.C., Ragdoll) verwandt sind, kann der Test mit sinnvoll sein.

Blutdruckmessung

Der Blutdruckmessung kommt insbesondere bei gleichzeitigen vorliegenden Befunden an den Augen eine besondere Bedeutung zu. Bei diesen Patienten besteht parallel zur Herzinsuffizienz der Verdacht der systemischen Hypertension (Bluthochdruck). Urs√§chlich k√∂nnen sein: eine Schilddr√ľsen√ľberfunktion, chronische Niereninsuffizienz (prim√§r oder sekund√§r) oder Morbus Cushing.

Ultraschall - Echokardiographie mit Doppleruntersuchung

Die Echokardiographie(Herzultraschall) ist derzeit die Methode der Wahl, um die phänotypischen Merkmale (Muskelverdickung=Hypertrophie) der HKM zu erfassen. Die Echokardiographie mit seinen verschiedenen Applikationsmöglichkeiten (Doppler, Gewebedoppler) ist die beste Methode eine Hypertrophie phänotypisch nachzuweisen.

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Grundvoraussetzung sind Schallk√∂pfe mit hoher Aufl√∂sung (7,5 -10 MHz) und hoher Bildfrequenz. Da auch gesunde Katzen oft eine Herzfrequenz √ľber 200/min aufweisen, muss das Ultraschallger√§t die Einstellungsm√∂glichkeiten das Bild bei der M-Modeuntersuchung auseinanderziehen zu k√∂nnen. Nur so kann man die vielen Herzwandaktionen besser beurteilen, um die Wanddicke w√§hrend der Erschlaffungsphase (Diastole) gut beurteilen zu k√∂nnen.
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Die Hypertrophie kann sich als symmetrische und asymmetrische Verdickung der Herzwände und/oder Papillarmuskel darstellen. Es ist fast immer nur die linke Herzkammer betroffen.
Grundlage der Diagnostik ist die Messung der Dicke der linken Kammerwand an zwei Stellen in Diastole. Zunächst wird der Herzmuskel im 2-dimensionalen Bild in mehreren Ebenen beurteilt. Dann folgt eine M-Mode Messung der diastolischen Wandstärke in den definierten Standardebenen.
Ist die Hypertrophie symmetrisch verteilt lassen sich die Wandst√§rkenzunahmen relativ einfach bemessen und klassifizieren. Grenzwert f√ľr eine normale Wanddicke ist 5,5 mm. Zwischen 5,5 und 6,0 mm sprechen wir von einem zweifelhaften (equivocal) Befund.

    * Anmerkung der IG Herzgesunde Katze:
    Zum Vergleich ein Abschnitt aus den aktuellen Richtlinien des Pawpeds Gesundheitsprogramms:
    “Normale Wandst√§rke liegt zwischen 3.0 - 5.0 mm, mit einigen kleinen Abweichungen.
    Fr√ľhere Studien haben den Schl√ľsselwert zwischen normal und equivocal mit 6.0 mm an. Wir haben dabei in Betracht gezogen, da√ü die Ultraschallger√§te damals noch nicht so ausgereift waren. Sp√§tere Studien gaben dann einen Wert von 5.5 mm als Maximalwert an, aber mittlerweile scheinen immer mehr Tier√§rzte diesen Wert noch weiter reduzieren zu wollen. Die Tier√§rzte, die f√ľr das Pawpeds Health Programm arbeiten, haben sich f√ľr einen Maximalwert von 5.0 mm entschieden. Daher sollte eine allgemeine oder lokale Verdickung der Herzwand √ľber 5.0 mm die Bewertung "equivocal" (wenn keine anderen Auff√§lligkeiten zu beobachten waren) oder "HCM" zur Folge haben.“
     (Quelle: Pawpeds.com)

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Abb.3.: Ultraschallbild Querschnitt linke Herzkammer einer normalen Katze (links) und einer Ragdoll mit HCM (rechts)
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Schema 1: Bei der symmetrischen Hypertrophie verengt sich die Herzkammer gleichm√§√üig. Bis 5,5 mm gilt die Wandst√§rke als normal. Katzen mit Herzwanddicken √ľber 6 mm gelten als positiv f√ľr HCM.
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Merke: Schwieriger ist es asymmetrische (lokale) Hypertrophien der Wände oder Papillarmuskel außerhalb der Standardebenen zu messen und zu klassifizieren. Hier ist insbesondere die Erfahrung des spezialisierten Kardiologen gefragt.
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Schema 2: Manchmal liegen nur lokale (asymmetrische) Verdickungen vor. Hier ist die Erfahrung des Kardiologen gefragt, ob es sich noch um ‚Äěnormale“ Unregelm√§√üigkeiten oder schon um eine punktuelle Hypertrophie im Sinne der HCM handelt. Gerade bei diesen Patienten sind Folgeuntersuchungen unerl√§sslich.
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Ursache f√ľr die Unterschiede in der Auspr√§gung und Verteilung der Hypertrophie ist die variable genetische Expression dieser Erkrankung. D.h. bei den genetischen Merkmalstr√§gern wird der Genotyp unterschiedlich stark und schnell im Leben ph√§notypisch exprimiert. Im Ultraschall sieht man auch Rasseunterschiede. So zeigen die meisten British-Kurzhaar-Katzen eine asymmetrische Hypertrophie im Bereich des oberen interventrikul√§ren Septums, die funktional als Aortenstenose anzusehen ist. Bei Maine-Coon- und Norwegischen Waldkatzen sehen wir in unserem Patientengut die Hypertrophie weiter unten in der Herzkammer und an den Papillarmuskeln.
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Die Ultraschalluntersuchung des Herzens auf Hypertrophie hat eine sehr hohe Sensitivität. D.h. wenn wir im Ultraschall eine signifikante Wandverdickung sehen, handelt es sich um eine Hypertrophie.

Phänotypische Differentialdiagnose der Wandverdickung:

Eine Hypertrophie ist entweder die Folge eines primären genetisch bedingten Defekts (HCM), oder die sekundäre Reaktion auf Blutdruckerhöhung und/oder hormonelle Veränderungen. Die sekundäre Hypertrophie stellt sich fast immer als konzentrische (auf alle Zellen gleichmäßig nach innen gerichtet) symmetrische Verdickung aller Zellen dar.
Eine angeborene Aortenstenose mit sekundärer konzentrischer Hypertrophie ist bei Katzen im Gegensatz zum Hund selten, aber differentialdiagnostisch besonders bei jungen Katzen zu beachten.
Eine andere seltene Erkrankung ist das Akromegaliesyndrom. Dieses f√ľhrt neben einer Hypertrophie des Herzmuskels zu auff√§lligen Ver√§nderungen an den Akren (Ohren, Pfoten).
Bei √§lteren Katzen (>6 Jahre) mit konzentrischer Hypertrophie ist an das Vorliegen einer Schilddr√ľsen√ľberfunktion oder an Bluthochdruck (systemische Hypertension), z.B. im Zusammenhang mit einer Nierenerkrankung zu denken. Bei manifester, klinisch relevanter Hyperthyreose sind die Katzen im Allgemeinen √§lter als acht Jahre und sichtbar mager. Die Ruhe-Herzfrequenz ist bei diesen Tieren ebenfalls hoch und regelm√§√üig ist eine vergr√∂√üerte Schilddr√ľse am Hals f√ľhlbar. Die Herzwandverdickung bei diesen nichtkardialen Erkrankungen, ist im Ultraschall immer konzentrisch-symmetrisch und wird erst sichtbar, wenn die Grunderkrankung schon √ľber l√§ngere Zeit besteht. Zudem erreichen diese sekund√§ren Hypertrophien aus Sicht des Autors selten Werte √ľber 6,0 mm.

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Wie beim Menschen bekannt muss man auch bei Katzen mit spontanen Genmutationen als Ursache f√ľr das Auftreten der HCM in sonst gesunden Zuchtlinien rechnen. Diese Zuf√§lle sind aber sehr selten und erkl√§ren die Penetranz der HCM innerhalb bestimmter Katzenrassen nicht.

Pathologie - Histologie

Die pathologische Untersuchung des Herzens ist derzeit die genaueste Methode zu Feststellung der HKM. Aber leider erst nach dem Tod des Tieres.
Besonders wichtig ist diese Untersuchung f√ľr die Aufkl√§rung von pl√∂tzlichen Todesf√§llen bei Jungtieren der betroffenen Katzenrassen. Die Diagnose HKM kann mittels einer histologischen Untersuchung mit Spezialf√§rbungen der Gewebeschnitte gestellt werden.
Der Nachweis eines sogenannten `myocardial fiber disarray` (Unordnung der Herzmuskelzellen) ist f√ľr die HKM pathognomonisch. Pathologische Untersuchungsgutachten sollten zudem immer das Gewicht des untersuchten Herzens enthalten.

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Herzgewicht:
  • Normal < 20 Gramm
  • HCM   > 30 Gramm (= HCM Verdacht n.Kittleson)

Therapie der HCM

Die Therapie der HCM ist nur mit Medikamenten m√∂glich. Beim Menschen werden √ľberwiegend m√§nnlichen Patienten transplantiert.

Prognose der HCM

Je fr√ľher im Leben die HCM diagnostiziert wird, umso k√ľrzer ist die Lebenserwartung, dass gilt besonders f√ľr Katzen unter zwei Jahren. Katzen die mit Symptomen vorgestellt werden, die durch HCM bedingt sind haben ebenfalls eine reduzierte Lebenserwartung. Eine relativ gute Prognose haben Tiere, die vorsorglich auf HCM untersucht werden und dann ggf. fr√ľhzeitig Medikamente bekommen.

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Dr. med. vet. Jan-Gerd Kresken
Fachtierarzt f√ľr Kleintiere
Zusatzbezeichnungen: Kardiologie, Röntgenologie & Sonographie

Tierärztliche Klinik am Kaiserberg
Wintgensstraße 81-83
D-47058 Duisburg
0049-(0)203-333036
www.tierklinik-kaiserberg.de

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letzte Aktualisierung am 21. Mai 2012

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